Ein Jahr BJW in Konstanz

Fortsetzung Bericht/Linzgau-Journal (Ausgabe Dez. 2018).....

In das betreute Jugendwohnen (BJW) kam ich über das Linzgau, ich lebte zuvor ein Jahr in einer der intensivpädagogischen Wohngruppen.

Intensivpädagogisch war auch erforderlich in meiner Anfangszeit dort. Ich machte ziemlich kurz darauf einen stationären Aufenthalt und brauchte lange, um wieder in einen gewissen Alltagsrhythmus zu finden. Als dies dann doch geschafft war, entschloss ich mich zusammen mit allen Beteiligten, dass ich bereit war, einen neuen Schritt zu wagen. Glücklicherweise wurde genau gegenüber meiner bisherigen  Wohngruppe ein Studentenwohnheim gebaut, in dessen Erdgeschoss sich die  neuen BJW-Wohnungen befinden würden. So zog ich also direkt am 02. Januar in eine der Wohnungen. Für mich war das ein riesen Erfolg und ein weiterer Schritt in Richtung Selbstständigkeit. Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit habe ich mich gut einleben können. Die beiden Erzieherinnen standen mir immer tatkräftig zur Seite.

Ich hatte im September 2017 meine Ausbildung angefangen und musste gegen Mai feststellen, dass es mir doch nicht so leicht fiel, den Arbeitsalltag zu bewältigen. Trotz Unterstützung seitens meiner Betreuerinnen erfolgte ein weiterer stationärer Aufenthalt. Daraufhin fiel der Beschluss, die Ausbildung abzubrechen und das Abitur nachzuholen. Dies war tatsächlich vorrangig die Idee der für mich zuständigen Linzgau-Mitarbeiterinnen und ehrlich gesagt, hat mich der Entschluss, dieser Idee nachzugehen, wirklich weit gebracht. Nun gehe ich wieder in die elfte Klasse und stehe im Prinzip wieder genau da, wo ich mich schon vor zwei Jahren befand. Mental habe ich mich jedoch um Einiges weiterentwickeln können.

Zwischenzeitlich bin ich aus der Wohnung in das WG-Zimmer gezogen, die Wohnung teile ich mir nun mit Shannon. Manchmal haben wir Schwierigkeiten, da wir sehr verschieden sind. Aber eigentlich verstehe ich mich gut mit ihr und kann durch das gemeinsame Wohnen für mein zukünftiges Leben lernen. Meine Bezugsbetreuerin sehe ich mindestens einmal die Woche - entweder ausgemacht oder spontan. Dann reden wir über den aktuellen Stand, Schulthemen, einkaufen gehen oder wir kochen zusammen. Ich kann mich auch selber aktiv beteiligen und mitentscheiden, wie wir die Zeit gestalten. Zu den anderen BJW-Bewohnern habe ich keinen stetigen Kontakt, verstehe mich aber mit allen gut. Einmal im Monat frühstücken wir zusammen mit unseren Betreuerinnen. Dabei besprechen wir Änderungen und wichtige Informationen wie z.B. die neue Waschmaschine, welche uns finanziert wurde. Ich habe hier im BJW auf der einen Seite das Gefühl, selbstständig in einer Wohnung zu leben und meinen Alltag alleine zu regeln, auf der anderen Seite habe ich gleichzeitig die Sicherheit, bei Krisen immer eine Ansprechperson zu haben, auch wenn eine Krise momentan eher unwahrscheinlich ist.

Vor zwei Wochen haben wir mit dem Fit-For-Life-Programm angefangen, bei dem man alltagspraktische Dinge erlernt. In meinem Fall werden wir noch einen genauen Blick auf die Finanzen legen.

Alles in allem bin ich sehr dankbar für die Option, hier im BJW wohnen zu können. Spätestens nach meinem Abitur 2020 werde ich die Einrichtung hier verlassen - und mit der Unterstützung des Linzgaus bin ich mir sicher, dass ich zu diesem Zeitpunkt mit beiden Beinen fest im Leben stehen werde!

Geschrieben von Karyna (Bewohnerin des BJW in Konstanz)